AMBITioniert - Arbeitsfähig bleiben bei herausfordernden Verhaltensweisen 

Herausforderndes Verhalten von Kindern und Jugendlichen - nicht nur in der Schule - stellt sich immer mehr als „DIE“ Herausforderung für alle Beteiligten heraus. Sich diesem Thema zu widmen und neue, praxiserprobte Konzepte vorzustellen sehen wir als eine Aufgabe des Instituts Inklusive Pädagogik der Pädagogischen Hochschule Oberösterreich an. 

In dieser Tagesveranstaltung wird das Mentalisierungskonzept in seinen Grundzügen vorgestellt und seine Reichweite für die Arbeit im Kontext von herausfordernden Verhaltensweisen diskutiert.  Mentalisieren meint nach Peter Fonagy et al. (2002) die sozial-kognitive Fähigkeit, „sich mentale Zustände im eigenen Selbst und in anderen Menschen vorzustellen“ (ebd., 31).
Die Workshopphasen bieten u.a. die Möglichkeit, einen Einblick in ein mentalisierungsbasiertes Konzept (AMBIT: Adaptive Mentalization-Based Integrative Treatment, Bevington et al. 2017) für die pädagogische Arbeit, insbesondere bei herausfordernden Verhaltensweisen, zu erhalten  und seine Adaption für schulische und außerschulische Zusammenhänge  kennenzulernen.

Als Referentinnen und Referenten haben schon zugesagt:

  • Prof. in Dr. in Andrea Dlugosch (Univ. Koblenz-Landau)
  • Dipl.Päd. univ. Melanie Henter (Univ. Koblenz-Landau)
  • Assoc.Prof.in Mag.a Dr.in Agnes Turner (Alpen-Adria-Universität Klagenfurt)
  • Mag. Dr. Michael Wininger (Institut für Bildungswissenschaft der Uni Wien)

Zielgruppen: Wir wenden uns mit diesem Thema der Tagung „Mentalisierung“ an alle an dieser Thematik Interessierten (Lehrende, Forschende, Praktikerinnen und Praktiker, Studierende, …)
Die Tagung wird neben Vorträgen auch Workshopphasen beinhalten.

Termin/Ort: 17.Oktober 2018, 9:30 - ca. 17:30 Uhr, Pädagogische Hochschule OÖ, Kaplanhofstraße 40, 4020 Linz

Programm

Mittwoch, 17. Oktober 2018

09:30 - 09:45Beginn in Hörsaal 2, Begrüßung
09:45 - 10:30Referat: Mentalisierung – woher, wofür, wohin? Einige Grundlagen des Mentalisierungskonzepts und seine (schul-)pädagogische Relevanz (Michael Wininger)
10:30 - 11:15Referat: Mentalisieren in der schulpädagogischen Praxis (Agnes Turner)
11:15 - 11:30Pause
11:30 - 13:00

Workshopphase I: Seminarräume 5, 6, 7 und 8

13:00 - 14:00Mittagspause
14:00 – 15:30 Referat: Mentalisieren in Interaktion und Organisation: the AMBIT Approach (Andrea Dlugosch)
15.30 - 16:00 Pause
16:00 – 17.30 Workshopphase II: Seminarräume 3, 5, 6 und 12
Programm zum Download

Workshops

Workshopphase I: Seminarräume 5, 6, 7 und 8

Workshop I : AMBITioniert! Arbeitsfähig bleiben bei herausforderndem Verhalten (Adaptive Mentalization-Based Integrative Treatment Teil I) –Fortsetzung in Workshopphase II! (Hollenstein & Huter)

Workshop II : AMBITioniert! Arbeitsfähig bleiben bei herausforderndem Verhalten (Adaptive Mentalization-Based Integrative Treatment Teil I) –Fortsetzung in Workshopphase II! (Henter & Dlugosch)

Um Professionalität und Arbeitsfähigkeit in herausfordernden manchmal auch überfordernden Situationen aufrechterhalten zu können, bedarf es einer mentalisierungsförderlichen Schul- und Beziehungskultur. Damit eine solche implementiert und weiterentwickelt werden kann, werden in den Workshops wichtige Tools des Adaptive Mentalization-Based Integrative Treatment (AMBIT) vorgestellt und eingeübt. AMBIT bezieht sich auf die Arbeit mit den Kolleginnen und Kollegen, mit den inner- und außerschulischen Netzwerken sowie den Schülerinnen und Schülern. Dabei geht es in Workshop I zunächst um den Schwerpunkt „WORKING WITH YOUR TEAM: Ich und meine Kolleg_innen an der Schnittstelle von Mentalisieren und Stress im Schulalltag“ und der konkreten Frage danach, wie ich mein Kollegium adäquat in belastenden Situationen nutzen kann, trotz eines nur geringfügig vorhandenen Zeitkontingents. Im weiteren Verlauf widmet sich der Workshop thematisch dem Kontext „WORKING WITH YOUR NETWORKS AROUND YOUR CLIENT: Ich und meine Netzwerke im Kontext von herausforderndem Verhalten“, wobei an dieser Stelle der Fokus auf die Identifizierung und die optimale Nutzung von vorhandenen pädagogischen und personellen Ressourcen gelegt wird.

Workshop III : Work Discussion – eine psychoanalytisch orientierte Praxisreflexion (Agnes Turner)

In diesem Workshop wird die psychoanalytische Beobachtungsmethode nach dem Tavistock Modell vorgestellt und anhand von zahlreichen Fallmaterial sowie Beobachtungsübungen erfahrbar gemacht. Im speziellen wird auf die Methode der Work Discussion eingegangen. Charakteristisch für das Lernen im Work-Discussion-Seminar ist eine entschleunigte Haltung aller Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die letztlich auf den methodischen Dreischritt (Beobachtung, Protokollierung und Besprechung) zurückzuführen ist.
Bei der Besprechung eines Protokolls entsteht in der Gruppe ein plastisches Bild, das ein tiefes Eintauchen in die Psychodynamik der Praxissituation ermöglicht und eine emotionale Reinszenierung der Situation ermöglicht. Die einerseits psychoanalytisch angeleitete und andererseits möglichst heterogen (beispielsweise unterschiedliche Schultypen) zusammengesetzte Gruppe nimmt methodisch eine wichtige Funktion ein: Das professionelle Containment der Seminarleitung ermöglicht es den Teilnehmerinnen und Teilnehmern, einen mentalen Reflexionsraum zu erfahren, in dem vorerst „Unverdauliches“ sowie noch nicht Benennbares in neue Gedanken und Erkenntnisse zu Beziehungsgeschehen transformiert werden kann. Der mentale Gruppenraum und die darin aufkommenden Übertragungsdynamiken ermöglichen ein weiteres Erfahrungsfeld für die Beobachterin und den Beobachter, um mit emotionalen Aspekten beim Lernen und Lehren in Kontakt zu kommen.

Workshop IV: Reflexionsfähigkeit als „goldenes Kalb“ der Professionalisierung von Lehrerinnen und Lehrern? - Ein Blick in die „Werkstatt“ mentalisierungsbezogener Professionalisierungsforscher/innen (Michael Wininger)

Im Workshop werden zunächst aktuelle Diskussionslinien und Forschungsansätze zur Professionalisierung von Lehrerinnen und Lehrern nachgezeichnet. Dabei wird unter anderem verdeutlicht, dass Reflexionsfähigkeit in der einschlägigen Fachliteratur häufig als eine zentrale Kernkompetenzen von Lehrerinnen und Lehrern eingefordert wird, gleichzeitig aber noch weitgehend ungeklärt ist, was konkret unter Reflexionsfähigkeit verstanden und wie diese im Rahmen der Lehrer/innenausbildung gefördert werden kann.
Besonders bedauerlich ist dies nicht zuletzt in Hinblick auf das Arbeitsfeld von Psychagoginnen und Psychagogen und Beratungslehrer/innen. Aufgrund der komplexen Problemlagen und Beziehungssituationen, mit denen sie in ihrer Arbeit häufig konfrontiert werden, ist ihre Reflexionsfähigkeit vor besondere An- und Herausforderungen gestellt.
Am Beispiel eines konkreten Universitätslehrgangs, wird im Workshop gezeigt und diskutiert, welche Ansätze zur Professionalisierung von angehenden Psychagoginnen und Psychagogen und  Beratungslehrer/innen derzeit vorliegen und wie deren Professionalisierungsprozess – unter Bezugnahme auf die Mentalisierungstheorie – begleitend beforscht werden kann.

Workshopphase II: Seminarräume 3, 5, 6 und 12

Workshop I: AMBITioniert!  - Arbeitsfähig bleiben bei herausforderndem Verhalten (Adaptive Mentalization -Based Integrative Treatment Teil II), (Hollenstein & Huter)
Achtung gleiche Gruppe wie am Vormittag!

Workshop II :
AMBITioniert! Arbeitsfähig bleiben bei herausforderndem Verhalten (Adaptive Mentalization -Based Integrative Treatment Teil II), (Henter & Dlugosch)
Achtung gleiche Gruppe wie am Vormittag!

Workshop III :  Work Discussion – eine psychoanalytisch orientierte Praxisreflexion (Agnes Turner)

Workshop IV : Reflexionsfähigkeit als „goldenes Kalb“ der Professionalisierung von Lehrerinnen und Lehrern? - Ein Blick in die „Werkstatt“ mentalisierungsbezogener Professionalisierungsforscher/innen (Michael Wininger)

 

 

Referate & Referenten

Referate

Referat : Mentalisierung – woher, wofür, wohin? Einige Grundlagen des Mentalisierungskonzepts und seine (schul-)pädagogische Relevanz (Michael Wininger)

Die sogenannte „Mentalisierungstheorie“ wurde seit den 1990er-Jahren im Bereich der Psychoanalyse und Psychotherapie entwickelt und zunächst insbesondere für die psychotherapeutische Arbeit mit Menschen mit schweren Persönlichkeitsstörungen fruchtbar gemacht. Unter dem Begriff der „Mentalisierungsfähigkeit“ wird dabei die zentrale menschliche Fähigkeit verstanden, eigenes und fremdes Verhalten auf Basis von Mentalem (z.B. Affekten, Gefühlen oder Wüschen) interpretieren bzw. über mentale Zustände in Beziehungen nachdenken zu können. Im Zentrum der Mentalisierungsforschung steht die Frage, wie und unter welchen Umständen die Mentalisierungsfähigkeit entsteht, zu welchen Problemen es kommen kann, wenn diese Fähigkeit nicht zureichend entwickelt wird und welche Möglichkeiten der Förderung es in verschiedenen Kontexten gibt.
Seit einigen Jahren werden die Ergebnisse der Mentalisierungsforschung auch außerhalb klinischer Anwendungsbereiche intensiv diskutiert. Vor allem in der Bildungswissenschaft setzt sich die Auffassung durch, dass die Fähigkeit zu Mentalisieren eine zentrale Kernkompetenz von PädagogInnen und Pädagogen im Allgemeinen bzw. Lehrerinnen und Lehrer im Besonderen darstellt und die Aufrechterhaltung und Förderung von Mentalisierungsfähigkeit eine unverzichtbare Grundlage jeglicher pädagogischer Arbeit darstellt.
Der Vortrag führt in zentrale Begriffe und Ergebnisse der Mentalisierungsforschung ein und zeichnet die entwicklungspsychologischen Grundlagen der Mentalisierungsentwicklung in der Kindheit und im Jugendalter nach. Davon ausgehend wird erläutert und diskutiert, inwiefern die Mentalisierungstheorie von (schul-)pädagogischer Bedeutung ist und welche Ansätze einer mentalisierungsbasierten Pädagogik bislang vorliegen.

Referat : Mentalisieren in der schulpädagogischen Praxis (Agnes Turner)

Basierend auf dem Konzept der Mentalisierung wird in diesem Vortrag die schulpädagogische Praxis in den Fokus genommen. Aufgrund von psychischer Belastung (Allen 2006) kann die Mentalisierungsfunktion situativ (Taubner 2015) eingeschränkt werden. Pädagogisch herausfordernde Situationen (Turner 2018) können speziell eine beeinträchtigende Wirkung auf die Mentalisierungsfähigkeit von Lehrenden und Lernenden nehmen, die in weiterer Folge zu Fehlinterpretationen führen kann. Hingegen haben Erfahrungen mit gelungenem Containment eine stärkende Wirkung auf die Mentaliserungsfähigkeit (Schultz-Venrath 2013).
Der Beitrag geht der Frage nach, welche Faktoren Pädagoginnen und Pädagogen unterstützen, während und nach dem Unterricht die Psychodynamik des interaktionellen Geschehens zu mentaliseren, um in weiterer Folge passende pädagogische Interventionen zu setzen. Das Work Discussion Seminar kann als unterstützender reflexiver Raum für Mentalisierungsprozesse gesehen werden. Anhand von Fallanalysen aus Work Diskussion Seminaren wird die Mentalisierung von Lehrenden und Lernen illustriert und deren Bedeutung für die Gestaltung von gelingenden Lernprozessen diskutiert.

Referat : Mentalisieren in Interaktion und Organisation: the AMBIT Approach (Andrea Dlugosch)

AMBIT (Adaptive Mentalization-Based Integrative Treatment, vgl. Bevington, etal 2017) ist ein Brückenkonzept für Kinder- und Jugendliche unter erschwerten sozialen und emotionalen Bedingungen und beruht auf der Kapazität des Mentalisierens und auf der Bildung von epistemischem Vertrauen (vgl. Fonagy & Allison 2014). Bisherige Einsatzmöglichkeiten liegen international im Bereich der außerschulischen Hilfen. Im Vortrag wird das Konzept vorgestellt und anhand von Impulsen aus der Innovations- und Implementationsforschung erörtert. Inwieweit ein Transfer von AMBIT in den schulischen Rahmen möglich ist und welche Relevanz adaptiven Konzepten zukommt, sind weitere Impulse für Anschlussdiskussionen.

Referentinnen und Referenten:


Prof.in Dr.in Andrea Dlugosch
, Univ.-Professorin für Pädagogik bei erschwertem Lernen und auffälligem Verhalten an der Universität Koblenz-Landau. Arbeitsschwerpunkte: Biografie als Leitkategorie für Bildungsprozesse, Rekonstruktive Diagnostik, Inklusion als Mehrebenenkonstellation. AMBIT (local trainer).

Melanie Henter, Dipl.-Päd.in, ist wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Arbeitseinheit Pädagogik bei erschwertem Lernen und auffälligem Verhalten an der Universität Koblenz-Landau, Institut für Sonderpädagogik. Tätigkeit u.a. in der außerschulischen Kinder- und Jugendhilfe. Aus-, Fort- bzw. Weiterbildungen u.a. in AMBIT – Adaptive Mentalization-Based Integrative Treatment (Local Trainer), Mentalization-Based Treatment (Basic Training) (Anna Freud National Centre for Children and Families, London) sowie Reflective Functioning Scale (RFS) (mit Reliabilitätsprüfung). Arbeits- und Forschungsschwerpunkte: Mentalisierungsbasierte Pädagogik, Lernprozesse im Kontext von Traumatisierung sowie Migration und Flucht bei Kindern und Jugendlichen.

Assoc. Prof.in Mag.a Dr.in Agnes Turner, ist Professorin für Pädagogik und stellvertretende Institusvorständin am Institut für Unterrichts- und Schulentwicklung der Alpen Adria Universität Klagenfurt. Sie lehrt im Bereich der Lehramtsausbildung und Weiterbildung von Lehrkräften und forscht zu Fragen der Reflexion psychodynamischer Prozesse, emotionalen Aspekte beim Lernen und Lehren, mentalisierungsbasierter Pädagogik, reflexiven Lernsettings zur Förderung von Persönlichkeitsentwicklung und Professionalisierung in Arbeitskontexten sowie Work Discussion. 
Sie ist Vorstandsmitglied der ANSE (europäischer Dachverband für Supervision) und arbeitet als Moderatorin, Supervisorin und Coach im Bildungs-, Sozial-, und Gesundheitsbereich.
Dr. Michael Wininger ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Bildungswissenschaft der Universität Wien. Er forscht und lehrt (u.a. im Bereich der Lehrer/innenbildung) zu Fragen der Entwicklungstheorie, Konzepten der Förderung von Kindern, Jugendlichen und ihren Familien in sozialen und emotionalen Problemlagen sowie zu Aspekten der Professionalisierung in verschiedenen psychosozialen Arbeitsfeldern. Michael Wininger ist Mitglied des Vorstandes der Kommission Psychoanalytische Pädagogik der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft (DGfE) und als Psychoanalytiker bzw. Psychotherapeut in freier Praxis tätig.

Beate Huter und Michael Hollenstein (Stv. Bereichsleitung) arbeiten „ambitioniert“ im Vorarlberger Kinderdorf gemeinn. GmbH, Paedakoop. Sie haben beispielsweise die AIM Karten, basierend auf der Adolescent Integrative Measure (ursprünglich am Anna Freud Centre in London entwickelt) adaptiert und auf Deutsch übersetzt.

Anmeldung

Anmeldung AMBITioniert
Anrede*
Datenschutz*


Anmeldung als Lehrer/innenfortbildung in PH Online:
  23F18S0077
Zum jetzigen Zeitpunkt ist nur mehr eine Anmeldung auf der Warteliste möglich.
Sie können auf alle Fälle teilnehmen und werden nach der Veranstaltung fix zugeteilt.